Maria Bühner

Wissenschaftlerin


Themenschwerpunkt: Queer in der DDR

Webseiten/Blogs: http://www.sozphil.uni-leipzig.de/cm/kuwi/mitarbeiter/maria-buehner/ , https://uni-leipzig.academia.edu/MariaBuehner , https://www.viertelrausch.de/maria/

Sprache/n: Deutsch, Englisch

Stadt: Leipzig

Land: Deutschland

Themen: geschlechtergeschichte, sexualpolitik, queerfeminismus, homosexualität/lesbischsein/queer, ddr, aktivismus, frauenbewegung, wissenschaftsethik, zinefest, sexualitätsgeschichte, lesben, archivierung, lesben u trans*, queere theorie und praxis, lesbenbewegung, feminismus, wissenschaftlich schreiben, feminismus & geschichte, geschichte der homosexualitäten, lesbengeschichte, lesben & geschichte, zine

Ich biete: Vortrag, Moderation, Seminarleitung, Beratung, Interview

  Ich bin bereit, für eine Veranstaltung zu reisen.

Biografie:

Über mich
seit 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin im BMBF-geförderten Verbundforschungsprojekt "Dinge und Sexualität", Deutsches Hygiene-Museum Dresden
2018-2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig
Seit 2014 Doktorarbeit zur Subjektivierung weiblicher Homosexualität in der DDR am Lehrstuhl Kulturgeschichte, Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig
2010-2013 M.A. Studium der Kulturwissenschaften in Leipzig und London
M.A. Arbeit zu Identitätskonstruktionen in queer/feministischen Personal Zines.
Seit 2009 Arbeit an der Universität als Tutorin, Hilfskraft & Dozentin.
2007-2010 B.A. Studium der Kulturwissenschaften in Leipzig.

Seit 2013 Vorträge und Workshops zu Lesben in der DDR und queer/feministischen Personal Zines in unterschiedlichsten Kontexten von internationalen Konferenzen (Stonewall 50 Years On, 2019, Manchester,
Alms Queering Memory, 2019 Berlin) bis zur Coming Out Gruppe für junge Lesben Leipzig und dem böse + gemein Festival in Dresden.

Artikel für nicht-wissenschaftliche und wissenschaftliche Sammelbände, Fachzeitschriften, Themenportal Europäische Geschichte Clio Online, Digitales Deutsches Frauenarchiv etc.
Herausgeberin eines Sammelbandes zu Europäischer Geschlechtergeschichte (gemeinsam mit Maren Möhring, erschien 2018 im Steiner Verlag).

Mitarbeit an queer/feministischen Projekten wie dem Queer Zinefest Squeezie in Leipzig, Queer Film Festival Paranoid Paradise und CSD Leipzig.
Erfahrungen in Planung, Organisation und Durchführung von (queer/feministischen) kulturellen und politischen Projekten.

Themen & Formate
Denkbare Formate sind Vorträge, Workshops, Moderation, Podiumsdiskussionen und Interviews. Mit allen Formaten habe ich langjährige Erfahrung.

Meine Themen sind: Lesben in der DDR, Frauen in der DDR, Geschichte der Homosexualitäten, weibliche* Homosexualität, materielle Kultur der Sexualitäten, Geschlechtergeschichte, queer/feministischer Aktivismus, wissenschaftliche Recherche und Arbeit zu sensiblen Themen/marginalisierter Geschichte, wissenschaftliches Arbeiten in den Geisteswissenschaften, partizipative Forschung, Zines, queer/feministische Zines, Erinnerungs- und Geschichtspolitik in Feld Homosexualitäten.

Vorträge / Referenzen:

Vortrag "Queer in der DDR", Regenbogenempfang der Grünen im Thüringer Landtag, 27. August 2019

Homosexualität und Trans* waren in der DDR lange unsichtbar und marginalisiert. Es gab keine Worte dafür, keine Bücher darüber und keine Vorbilder. Die intensive Beteiligung von queeren Menschen an der Bürgerrechts- und der Oppositionsbewegung der DDR, ihr Engagement um und nach dem Mauerfall wurden von der Geschichtsschreibung bisher weitestgehend ignoriert.

Queer benutze ich in diesem Vortrag als einen Begriff, für Lesben, Schwule, Bisexuelle und transgeschlechtliche Menschen.

Ich werde in diesem Vortrag basierend auf meiner Forschung einige Einblicke in die Rahmenbedingungen queerer Existenz in der DDR geben.
Mein Fokus liegt dabei, erstens, auf der Frage, wie sich die Unsichtbarkeit und Diskriminierung von Queers in der DDR manifestierten und, zweitens, auf den Aktivist:innen, ihren Politiken und ihrem Kampf um Sichtbarkeiten und Anerkennung.

Der Vortrag dauert etwa eine halbe Stunde und arbeitet mit Bild- und Textquellen.

Dieser Vortrag ist auf: Deutsch
Lecture "Queer East-Berlin(ers) 1945-1990", Guest Lecture, CIEE Global Institute Berlin, 16 January 2020

The lecture focuses on lesbians, gays and trans in the GDR in East-Berlin. The iconic movie "Coming out" by Heiner Carow about a gay teacher in East-Berlin premiered in the night of the Fall of the Berlin Wall, only 45 years after the liberation of Germany, only 45 years after around 3.000 presumably gay men were killed in concentration camps wearing the pink triangle. During these decades intense changes took place which I outline. Before I get into the activism that took place in the 1970s and 1980s and for which East-Berlin was a very important place, I look at experiences of invisibility, discrimination, and marginalisation, also because we have to understand the activism as a reaction towards these very difficult living conditions.

Dieser Vortrag ist auf: Englisch
Vortrag "Stirn zeigen? Lesbisch* in der DDR zwischen Emanzipation, Normalisierung und Repression", Ringvorlesung "Welchen Feminismus wollen wir?", Universität Bonn, 4. November 2019

Wie war es lesbisch* in der DDR zu leben und zu lieben? Ausgehend von dieser Frage gibt der Vortrag einen Überblick über die Rahmenbedingungen lesbischer Existenz in der DDR von den 1950er Jahren bis 89/90. Während bis Ende der 1960er Verstecken, Unsichtbarkeit, Disziplinierung und deren Auswirkungen im Fokus stehen, werden für die 1970er bis Anfang der 1990er die dann entstehenden Lesben- und Homosexuellengruppen mit ihren Politiken vorgestellt und (kritisch) befragt. Wie wurden sie aktiv? Wie haben sie sich vernetzt? Gingen ihre Identitätspolitiken mit Ausschlüssen einher?

Dieser Vortrag ist auf: Deutsch
Vortrag "Die Psychiatrisierung der Lust. Der Umgang mit lesbischem Begehren in der Psychiatrie der DDR" am 13. Dezember 2017, Ringvorlesung Jenseits der Geschlechtergrenzen, Universität Hamburg

Die Psychiatrie ist der Geburtsort der modernen Homosexualität. Wie Foucault ausführt, wurde dort der_die Homosexuelle vom reinen Rechtssubjekt zu einer durch ihre_seine Sexualität geprägten Persönlichkeit; eine Prägung, die sich auch in ihrem_seinem gesamten Verhalten und Körper widerspiegle. Wie wirkmächtig waren diese Vorstellungen in der Folge? Was bedeuteten sie für konkrete Praktiken in den Psychiatrien?

Basierend auf Krankenblättern gibt der Vortrag Einblicke in den Umgang mit homosexuellen Begehren von Patient_innen während der 1960er und 1970er Jahre. Die dokumentierten Bewertungen und Praktiken stützten sich auf wissenschaftliche Forschungen, welche ebenso Gegenstand des Vortrags sind. Ein prominentes Beispiel sind die Studien des Endokrinologen Günter Dörner, der Homosexualität als „heilbare Krankheit“ imaginierte. Dörner versuchte ab den 1960er Jahren mit Hilfe von Experimenten an Ratten und Menschen nachzuweisen, dass Homosexualität die Folge einer hormonellen „Fehlprägung“ während der Schwangerschaft und dementsprechend heilbar sei.

In den analysierten Krankenakten zeigte sich deutlich ein ebenso pathologisierender Blick auf homosexuelles Begehren. Die Diagnosen reichten von „sexuelle Perversionen und Sexualneurosen“ bis hin zu „Sexopathie“. Die Patient_innenakten dokumentieren diskriminierende Behandlungen wie Befragungen zu intimsten Themen und unnötige gynäkologische Untersuchungen. Homosexualität wurde als vermeintliche „Verfehlung“ des Frau-Seins verstanden, die es genauestens zu dokumentieren, zu vermessen und zum Teil zu unterbinden galt. Die Psychiatrie fungierte als Ort, an dem lesbisches Begehren als „Krankheit“ begriffen und diszipliniert wurde, wobei die Grenze von „normal“ zu „abnormal“ in Bezug auf Geschlecht und Sexualität verhandelt wurde.

Der Vortrag dauert etwa 45 Minuten, arbeitet mit Auszügen aus dem Quellenmaterial und lädt so auch zur Entwicklung eigener Perspektiven auf den Untersuchungsgegenstand ein.

Dieser Vortrag ist auf: Deutsch
Vortrag "Die Kontinuität des Schweigens. Das verhinderte Gedenken der Ost-Berliner Gruppe Lesben in der Kirche im KZ Ravensbrück"

Im Mittelpunkt meines Vortrags steht das verhinderten Gedenken der „Lesben in der Kirche“ (LiK) an die lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in der Gedenkstätte des KZ Ravensbrück Mitte der 1980er Jahre. Anhand dieser Ereignisse werde ich den Kampf um Sichtbarkeit der Lesbenbewegung in der DDR und die damit verbundene Politisierung lesbischer Identität diskutieren.

Die LiK gründeten sich 1982. Sie waren zunächst die einzige selbstständige Lesbengruppe in der entstehenden Homosexuellenbewegung der DDR. Sie gaben wichtige Impulse, ausgehend von der Überzeugung, dass nicht die Lesben das Problem sind, sondern die Gesellschaft, die sie diskriminiert und unsichtbar macht. Mit regelmäßigen Veranstaltungen schufen die LiK einen Ort, an dem Lesben sich begegnen und mit ihrer sexuellen Orientierung auseinandersetzen konnten. Sowohl 1984 als auch 1985 und 1986 fuhr die Gruppe in die Gedenkstätte Ravensbrück um dort der lesbischen Opfer des NS zu gedenken. Auf die Entfernung des Eintrags in das Gästebuch und des niedergelegten Kranzes 1984 reagierten die Frauen mit Eingaben und Gesuchen um Gespräche mit offiziellen Stellen. Als sie 1985 an der Feier anlässlich des 40. Jahrestages der Befreiung des KZ teilnehmen wollten, wurden sie mit Polizeigewalt und -gewahrsam davon abgehalten. Im Folgenden schrieben sie zahlreiche Eingaben an politische Stellen und Briefe an bekannte Personen; sie erwirkten so zumindest eine Entschuldigung und eine Führung in der Gedenkstätte, ebenso wie die Anbringung eines Hinweises auf die Bedeutung des rosa Winkels, der Eintrag ins Gästebuch wurde jedoch wiederum entfernt und der Kranz blieb ohne Gebinde.

Das Material für meine Untersuchung sind Archivalien des Grauzone Archivs und des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, sowie nach 1990 veröffentlichte Erfahrungsberichte und Interviews einzelner Gruppenmitglieder. Mein Vortrag schlägt eine Brücke zwischen der, zum Teil noch unbekannten, Verfolgungsgeschichte von Lesben im NS, der Unsichtbarkeit von Lesben in der DDR bis weit in die 1980er Jahre und, in einem Ausblick, zu gegenwärtigen Diskussionen um das „Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen“ in Berlin, welche die anhaltende Marginalisierung von Lesben in der herrschenden Erinnerungspolitik kritisieren.

Ich habe den Vortrag erstmals bei der Konferenz "45 Jahre ‚Kleine Strafrechtsreform‘. Kontinuitäten und Brüche im Umgang mit Homosexualität(en) in Österreich im 20. Jahrhundert" (23. bis 24. Juni 2016, Universität Wien) gehalten.

Der Vortrag dauert etwa 45 Minuten. Es werden eine Vielzahl von Quellen (Auszüge aus Interviews und Protokollen der Gruppe, Photographien) präsentiert, welche zu einer eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema einladen.

Dieser Vortrag ist auf: Deutsch
Konferenzbeitrag "Insights in the changing (self-)understandings of lesbians in East Germany during the 1980s
" im Rahmen der internationalen Konferent Communist Homosexuality 1945-1990, Feb 2017, Paris

My talk focused on the changes in the medial representation of female* homosexuality in the German Democratic Republic (GDR) during the 1980s. This will be done in specific relation to the rise of a lesbian political movement and the newly developed political idea of “the integration of homosexuals in socialism”. I focus on the emotional dimension of the (in)visibility and the newly evolving images of lesbians in the 1980s which emerged after an almost after complete absence of any representation in the decades beforehand. After discussing the invisibility and its emotional effects for individuals and the lesbian political movement, I will contrast the representations of lesbians in the mass media during the 1980s with samizdat publications of lesbian political groups. Furthermore I will discuss one of the few attempts when activist groups worked together with the mass media.

Dieser Vortrag ist auf: Englisch
Moderation Podiumsdiskussion "Solidaritätserfahrungen Homosexueller in der DDR der 80er Jahre" am 26. Mai 2016 in Jena

"Am Donnerstag, den 26. Mai 2016 organisierte das ThürAZ im Haus auf der Mauer ein Zeitzeugen-Podium zum Thema "Solidaritätserfahrungen Homosexueller in der DDR der achtziger Jahre". Das Gespräch fand im Rahmen unserer diesjährigen Veranstaltungsreihe "'Vorwärts – und nicht vergessen': Solidarität in der DDR" statt. Anstatt Ausgrenzungserfahrungen Homosexueller zu fokussieren, welche in der bisherigen Forschungsliteratur zu dem Thema eingehend beleuchtet wurden, fragte das ThürAZ nach Formen praktischer Solidarität, die schwule Männer und lesbische Frauen in Kirche und Gesellschaft in der DDR erfuhren. Der Schwerpunkt lag auf den Jenaer Initiativen Arbeitskreis Homosexuelle Liebe (AKHL) und Redaktionsgruppe frau anders. Die Moderation der Runde übernahm die Kulturwissenschaftlerin Maria Bühner. Sie beschäftigt sich in ihrer Dissertation an der Uni Leipzig mit lesbischer Subjektwerdung in Ostdeutschland von den 1970er bis zu den 1990er Jahren."

Dieser Vortrag ist auf: Deutsch